Interview mit Jacqueline van der Kloet

Seit Jahren ist diese Niederländerin eine berühmte Landschafts- und Gartenarchitektin, nicht nur in Europa, sondern auch in den Vereinigten Staaten, Japan und China. Sie hat sich weltweit einen Namen gemacht mit Ihren malerischen Blumenzwiebel-Entwürfe: Jacqueline van der Kloet

JvdKloet Floriade

Jacqueline van der Kloet

Wussten Sie schon immer, dass Sie eine Landschafts- und Gartenarchitektin werden wollten?
Ich beschreibe mich selbst immer als ‘Gründesigner spezialisiert in Bepflanzungskonzepte’. Die Pflanzen sind für mich mindestens so wichtig wie der Entwurf. Darüberhinaus schreibe ich Bücher und Artikel, also bin ich auch ein wenig Autorin. Als 16-jähriges Mädchen wollte ich gerne Kunst studieren, weil ich gut zeichnen konnte und mir das sehr viel Spaß machte. Leider waren meine Eltern nicht begeistert von dieser Idee. Zufälligerweise traf ich im richtigen Moment, gerade vor der Einschreibung, jemand der Garten- und Landschaftsarchitektur in (damals im Jahre 1969) Boskoop studierte. Ich habe mich dort beworben und es war Liebe auf den ersten Blick.

JvdKloet Royal Mile

Die “Royal Mile” mit Verbena bonariensis, Gaura lindheimeri, Pennisetum villosum und Nassella tenuissima (Jacqueline van der Kloet, NL)

In den Achtzigerjahren hatte Sie Ihre eigene Firma gegründet. Nach ein paar Jahren wurde Sie, total verblüfft, von dem International Flower Bulb Center (NL) gefragt, eine Rubrik über Blumenzwiebeln zu schreiben. Sie erklärte, dass Sie wenig Kenntnisse über Blumenzwiebeln hatte. Daraufhin haben sie Ihr Blumenzwiebeln zur Verfügung gestellt um damit in Ihrem Privatgarten zu experimentieren; erst wenn Sie bereit wäre, könnte Sie mit der Rubrik anfangen. Im nächsten Herbst bekam Sie 12 Kartons und der Rest ist Geschichte……..

Wie empfindest du im Nachhinein diese Zeit?
Eine Kombination von Zufälligkeiten, die ein sehr positives Ergebnis herbeiführten. Obwohl es mir schon mal schwerfällt immer mit Blumenzwiebeln assoziiert zu werden, genauso wie Piet Oudolf oft nur mit Gräsern assoziiert wird. Das schränkt ein und stellt unsere anderen Fähigkeiten in den Schatten.

JvdKloet Rikuzentakata bollen

Die Blumenzwiebeln für das Rikuzentakata Projekt werden gepflanzt (Jacqueline van der Kloet, NL)

JvdKloet Rikuzentakata tulpen

Frühlingsblüte der Narzissen, Tulpen und Veilchen im Projekt Rikuzentakata in Japan (Jacqueline van der Kloet, NL)

Was ist in Ihrem Beruf Ihre Lieblingsbeschäftigung?
Alles in meinem Beruf liebe ich: einen Entwurf machen, Pflanzpläne ausdenken, die Umsetzung eines Designs begleiten, selber Pflanzen oder Blumenzwiebeln einsetzen, Gärtnereien besuchen um mein Wissen aufrechtzuerhalten und auszubauen, reisen um Inspirationen zu bekommen. Sogar in meiner Freizeit mache ich das, es ist für mich ‘a way of living’!

Ihr Privatgarten, de Theetuin in der Nähe von Amsterdam hat Sie in 1983 erschaffen und benutzt diesen als Ihr Experimentierfeld. Ihr Stil wird gekennzeichnet durch Leichtigkeit mit in Einklang gebrachte Formen und Strukturen. Es soll allerdings immer aussehen, wie von der Natur geschaffen! Dazu entwirft Sie unaufdringliche ausgeklügelte Bepflanzungskonzepte, wo frühlings-, sommer- und herbstblühende Blumenzwiebeln zusammen mit allen Kategorien von Pflanzen (Stauden, Rosen, Gräser, Ein- und Zweijährigen, Gehölze und Bäume) kunstvoll kombiniert werden. So lange wie möglich soll etwas blühen!
Vielsagend ist, dass Sie Ihre Blumenzwiebeln in einer Schubkarre mischt, grob zerstreut und dort pflanzt, wo sie hinfallen.

Was ist Ihr Lieblingsprojekt und warum?
Total schwierig zu definieren, es gab schon so viele und jedes Projekt ist anders, hat seinen eigenen Charme und Charakter. Aber wenn es sein soll…… in 2008 ‘die Royal Mile’ wegen der wunderbar schöne Zusammenarbeit mit anderen Designern. Und Rikuzentakata in Japan, eine Wiederherstellung öffentlicher Grünfläche nach einer Tsunami in 2011; die Emotion und Dankbarkeit dort haben mich tief berührt.

Haben Sie Lieblingspflanzen?
Das ist eine sehr schwierige Frage, es gibt so viele schöne Pflanzen! Es ist einfacher zu formulieren mit welchen Pflanzen ich vorzugsweise nicht arbeite:

JvdKloet Filippi Lygeum spartum

Lygeum spartum in Jardin Sec, Frankreich (Jacqueline van der Kloet, NL)

Koniferen, weil die so eine statischen Habitus haben; und Pflanzen, die hier klimatologische gesehen nicht hingehören, dennoch viel benutzt werden weil es in Mode ist.

Pepiniere Filippi Meze Frankrijk

Jardin Sec von Gärtnerei Filippi in Frankreich (Jacqueline van der Kloet, NL)

Was ist Ihren Lieblingsgarten und was gefällt Ihnen daran?
Der schönste Garten gibt es meiner Ansicht nach, nicht, weil es so viele unterschiedliche Gartenstile gibt und man dann Äpfel mit Birnen vergleichen würde. Ein klassischer Barockgarten kann man nicht vergleichen mit einer naturnahen oder minimalistischen Garten.
Der Jardin Sec von der Gärtnerei Filippi in Mèze in Frankreich hat mich sehr beeindruckt. Ich würde den beschreiben mit den Worten hauptsächlich Grautöne, Strukturen und Pflanzen die gut gedeihen in windiger, trockener Dürre.

David Austin Roses Gertrude Jekyll with digitalis

The Gertrude Jekyll Rose zusammen mit Digitalis u.a. ‘Pam’s Choice’ und Nepeta ‘Six Hill’s Giant’ (David Austin Roses, UK)

Haben Sie ein großes Beispiel in der Gartenarchitektur?
Am Anfang meiner Karriere habe ich alles gelesen was Gertrude Jekyll geschrieben hat und habe auch viele ihrer Gärten besucht.
Mittlerweile bestimme ich schon lange meinen eigenen Kurs und lass mich inspirieren von meiner Umgebung, weniger von Personen oder ihre Tätigkeiten.

Jacqueline van der Kloet und Ihre Berufung!
Jede Stelle auf dieser Erdkugel kann schön gestaltet werden, wenn man die örtlichen Gegebenheiten und eventuellen Wünsche der Eigentümer beachtet. Meine Passion ist es um die Orte, die ich in Auftrag gestalte, möglichst schön zu verwirklichen, sodass möglichst viele Leute davon genießen können.

Blumenzwiebel-Tipps von Jacqueline van der Kloet: 
- große Mengen mit wenigen Species und Varietäten
- Früh- bis Spätblühende mischen
- in einem Farbton, am liebsten die Farben ineinander verlaufen lassen, selten Kontrastakzente

Übrigens, de Theetuin kann man auch besuchen!

09. September 2016 von Sietske
Kategorien: Garten Design, Gartenbau, Gartengestaltung, Interview | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentare deaktiviert