Interview mit Modeste Herwig

Sie publiziert über Gärten und Grünes in Zeitschriften, schreibt Bücher, hat ein großes Fotoarchiv, entwirft Gärten und gibt Workshops: Modeste Herwig. Hier ein Interview mit dieser multi-talentierten Gartenliebhaberin.

Sietske: Schon seit Jahren bist du bekannt als Schriftstellerin und Fotografin für Gärten. Und auch dein Vater und Großvater waren angesehen auf diesem Fachgebiet. Schon seit dem 18. Jahrhuntert hat die Familie Herwig sich mit Pflanzen beschäftigt. War es deshalb selbstverständlich, dass du die diesen Beruf ausüben würdest? Gibt es ein besonderes Ereignis, das dazu geführt hat?

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Die Garten-Schriftstellerin und -Fotografin Modeste Herwig

Modeste: Mit Gärten und Pflanzen bin ich groß geworden, das hat mich schon immer fasziniert. Dennoch habe ich zuerst an der Fachhochschule Niederländisch studiert. Das ist eine gute Grundlage für meine heutige schriftstellerische Tätigkeit. Das Angebot von einem Verlag, ein Gartenbuch zu veröffentlichen, war der Anlass, mich Gärten zu widmen. Diese Chance konnte ich natürlich nicht ungenutzt vorbeigehen lassen.

Sietske: Gab es in deiner Jugend entscheidende Ereignisse, weshalb du diesen Beruf jetzt ausübst?

Modeste: Als Kind durfte ich meinem Vater auf einer Fotoreise nach England begleiten. Die Gärten, die Pflanzen, die Farben und die Dufte waren bezaubernd und ich begann Pflanzen zu zeichnen. Als ich auf meinem 14. Geburtstag eine Kamera bekam, war das der Anfang meiner Pflanzenfotografie. In der Zeit, als ich angefangen habe bei meinem Vater in den Modell-Gärten zu arbeiten, hat mich das Gartenvirus endgültig erfasst.
Mein Vater ist mein großes Vorbild, noch regelmäßig publiziert er begeistert übers Gärtnern. Momentan arbeitet er an einem E-Buch, das vom Gemüsegärtnern handelt und an Filmen über Gartenpraxis bei unser Youtube-Portal HerwigGarden.

Sietske: Gab es Rückschläge, die sich später als wichtige Entwicklung erwiesen?

Modeste: Am Anfang war es nicht einfach selbst mein Lebensunterhalt mit Veröffentlichungen zu verdienen, das benötigt wirklich Zeit. Es vergehen wirklich Jahre für den Aufbau eines Archives, passend zur Marktnachfrage. Das ist nicht wirklich ein Rückschlag, jedoch stimulierte es auf jeden Fall hart zu arbeiten!

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Geranium macrorrhizum

Sietske: Rufen Pflanzen Erinnerungen in dich hervor?

Modeste: Ja, ich kann mich noch genau erinnern an den Duft vom Storchschnabel Geranium macrorrhizum: es ist lange her, als Kind, während einer Gartenreise in England. Wenn ich das Blatt dieser Pflanze zwischen meinen Fingern reibe und den Duft einatme, denke ich wieder an damals…
Andere Pflanzen erinnern mich an einen bestimmten Garten, wie zum Beispiel die feuerrote Rose ‘Tojo’ an den Gärten meines Vaters in Lunteren, wo ich etwa 8 Jahre arbeitete.

Sietske: Was bedeuten Pflanzen für dich?

Modeste: Pflanzen sind sehr wichtig für mich, ohne Pflanzen um mich herum bin ich nicht glücklich. Es ist wohltuend sie zu versorgen, anzubauen, zu fotografieren und zu kombinieren in meinen Blumen Borders. Regelmäßig pflücke ich Blumen im Garten und binde einen einfachen Blumenstrauß, so bringe ich den Garten ins Haus. Pflanzen verkörpern die Jahreszeiten und führen zu meinem Arbeitsrhytmhus.

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Border im Garten von Modeste Herwig mit vorne Stachys ‘Hummelo’, der roten Crocosmia ‘Lucifer’ und hinten Phlox ‘Utopia’

Sietske: Du machst in deinem Beruf viele unterschiedliche Sachen, was gefällt dir am besten? Beschäftigst du dich in deiner Freizeit auch noch damit?

Modeste: Pflanzen sind meine Passion, genauso wie sie zu fotografieren und darüber zu schreiben. Es ist die Abwechslung zwischen Schreiben und Fotografieren, die mir besonders gefällt. Der Wandel der Jahreszeiten ruft automatisch andere Aufgaben hervor. Im Frühling, Sommer und Herbst kann ich fotografieren und zwischendurch schreiben, Workshops machen, Pflanzpläne erstellen und Gärten gestalten. Den Winter nutze ich um meine Fotos zu be- und verarbeiten, Texte und Workshops vorzubereiten. In meiner Freizeit gärtnere ich gerne, jedoch schreibe und fotografiere ich dann nicht.

Sietske: Mit welchen Pflanzen arbeitest du am liebsten?

Modeste: Ich arbeite am liebsten mit mehrjährigen Pflanzen. Weil es sehr viel verschiedene Sorten in den tollsten Farben gibt, kann man wunderschöne Kombinationen kreieren. Das Konzipieren von Farbkombinationen ist meine Spezialgebiet. Mehrjährige Pflanzen sterben im Winter oberirdisch ab, jedoch wachsen sie in jedem Frühling wieder heran. Außerdem arbeite ich auch gerne mit Blumenzwiebeln um im Frühling extra Farbe einzubringen.

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Der lange Border von Great Dixter (UK) mit u.a. Allium, Foeniculum, Spiraea japonica ‘Goldflame’, Papaver, Acquilegia, Gladiolus byzantinus

Sietske: Was ist für dich der schönste Garten, den du kennst?

Modeste: Zurzeit ist das Great Dixter in England. Die natürliche Art und Weise der Bepflanzung, die ausgeknobelte Zusammensetzung von Früh- und Spätblüher, die ausgefallene Pflanzen, die Farbkombinationen, das ganze Ambiente – einfach perfekt.

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Der gelbe Border von Mien Ruys (NL)

Sietske: Was sind deine große Vorbilder in der Gartenarchitektur?

Modeste: Gartenarchitektin Mien Ruys ist für die Niederlanden sehr tonangebend gewesen. Sie kombinierte den klassischen englischen Gartenstil mit dem modernen Stil aus Deutschland und den skandinavischen Ländern und innovierte damit die Niederländische Gartenarchitektur. Qua Bepflanzung ist Piet Oudolf ein großes Vorbild, Anfang Achzigerjahre des letzten Jahrhunderts war er mit seiner Arbeit grundlegend für den ‘Dutch Wave’, die Niederländische Welle. In seinem Gartenstil wird steht die Natürlichkeit im Vordergrund – informell und mit ‘Wellen’ mehrjähriger Pflanzen, Gräsern und Blumenzwiebeln. Man könnte den Stil beschreiben wie eine Art intensivierte Natur.

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Eupatorium und Gräser im Garten von Piet Oudolf (NL)

Sietske: Was ist dein schönstes/ausgefallenstes Projekt?

Modeste: Mein eigener Garten ist besonderes Projekt, es ist immer schwierig einen Entwurf für sich selbst anzufertigen.
Dazu kommt, dass ein Garten sich immer weiter entwickelt und ich jedes Jahr etwas verändere.
Darüber hinaus ist ‘der Border der Zukunft’, den ich auf Landgut Beeckestijn gestaltet habe, außergewöhnlich. In diesem 40 Meter langen, farblich abgestimmten Border habe ich Pflanzen verwendet, die nützliche Insekten anlocken. Es ist gedacht als ein Statement gegen die Versteinerung der Gärten.

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Border der Zukunft in Landgut Beeckestijn (NL) mit Cornus alba ‘Gouchaultii’, Liatris, Echinacea purpurea, Persicaria amplexicaulis, Verbena bonariensis

Sietske: Was motiviert dich?

Modeste: Ich möchte so viel Gärten-Liebhaber, wie irgendwie möglich, teilhaben lassen an all dem Schönen, das ich während meiner Gartenreisen begegne. Dazu gehört auch, das Vermitteln von all dem Wissen. Ich liebe Gärten, Pflanzen und Gärten-Liebhaber – die geben mir Energie. Das möchte ich gerne weitertragen in meinen Büchern, Artikeln und Gartenworkshops. Denn ein Garten macht glücklich!

12. Dezember 2014 von Sietske
Kategorien: Garten Design, Gartenbau, Gartengestaltung, Interview | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentare deaktiviert