Interview mit Peter Janke

Er verfasst Bücher, schreibt Artikel in Zeitschriften und ist Besitzer des wunderschönen Schaugartens HORTVS, eine Staudengärtnerei, und ein Gartenplanungsbüro: Peter Janke
Hier ein Interview mit einer der führenden Gartengestaltern in Deutschland.

Peter Janke-2016

Peter Janke

Wie würden Sie Ihr Gartendesign beschreiben; was kennzeichnet Ihren Stil?
Obwohl ich jedes meiner Gartenprojekte, jede meiner Planungen immer zwingend auf die individuellen Gegebenheiten von Ort, Architektur und Mensch abstimme, erkennt man einen Peter-Janke-Garten sofort. Es ist die Kombination aus offensichtlich menschgemachten, teils geometrischen Formen und Flächenaufteilungen und betont naturalistischen Pflanzeninhalten, aus der ich meinen Spannungsbogen rekrutiere. So entstehen viel-schichtige Analogien zwischen Mensch und Natur, die sich zu den unterschiedlichen Jahreszeiten immer wieder neu und andersartig ausbilden.

Man hat Sie mal beschrieben als jemanden mit ‘gärtnerischem Geschick und einer grossen Menge Kreativität’. 
Übersetzt heißt diese Beschreibung: Das gärtnerische Geschick ist gleichbedeutend mit dem pflanzlichen Wissen und der damit verbundenen Erfahrung im Umgang mit diversen Gewächsen. Die Kreativität bezieht sich auf meine Gabe, Pflanzbilder intuitiv zu entwickeln. Beides erachte ich als großes Geschenk. Denn das Wissen über Pflanzen erarbeite ich mir beim täglichen Gärtnern, die intuitive Gestaltung mit Pflanzen kommt einfach von allein aus mir heraus.

Flip van den Elshout Hortus Janke

Mittelmeerzypressen und Verbena bonariensis entlang der Allee im HORTVS (Flip van den Elshout, NL)

Ihr Beruf ist Ihre Freizeit, Sie haben Ihr Hobby zum Beruf gemacht; in Ihrem ‘hideaway’ schreiben, zeichnen und entwerfen Sie Gärten. Sie haben lange gezweifelt, ob Sie die künstlerische oder gärtnerische Richtung wählen. Für Außenseiter jedoch scheint es so logisch, dass Sie in die Fußstapfen Ihrer Großmutter (hatte eine eigene Gärtnerei mit u.a. Cyclamen) und Mutter (Floristin) treten würden. Was war entscheidend um diesen Beruf auszuüben?
Einzusehen, dass es zwischen dem gärtnerischen und dem künstlerischen Prozess keine Unterschiede gibt. Beides ist vom Wechselspiel zwischen Form und Inhalt und zwischen Können und Intuition angesiedelt.

Ihre Zeit bei Beth Chatto ist allbekannt. Was war für Sie ausschlaggebend um nach Beth Chatto zu gehen?

Peter Janke Verbena

Schöne Gegenlicht Aufnahme im HORTVS (Peter Janke, D)

Die Begegnung mit Beth Chatto und mit ihrem Garten waren und sind für mich prägend. Ich kannte Beths Gestaltungen bis dato nur aus Publikationen. Beth Chatto Gardens war dennoch von Anfang an meine Nummer eins, um in England zu arbeiten. Alle meine Erwartungen wurden um ein vielfaches übertroffen.

Wie war Ihre Schulung vor und nach Beth Chatto?
Vor meinem Englandaufenthalt dachte ich zu sehr in erlernten, gärtnerischen Strukturen. Einem Wissen, welches in Büchern und Lehrinhalten verankert ist. Beth lehrte mich Pflanzen neu zu erkennen und nach ihren individuellen, am Naturstandort evolutionär ausgebildeten, Stärken im Garten einzusetzen.

Ute Strunk Hortus Peter Janke

Frühling im Kiesgarten vom HORTVS (Ute Strunk, D)

Sie haben einmal gesagt, dass deutsche Gärten zu geordnet sind….
Ich sollte heute besser sagen: zu geordnet waren. Denn es hat sich in den letzten Dekaden ja so viel verändert! Die deutsche Gartenkultur steht wieder für etwas. Nämlich für eine betont naturhafte Gartenästhetik. Und obwohl ich den Begriff ‚New German Style‘ nicht besonders schätze, ist er Synonym für eine erneut Naturbilder in unsere Gärten bringende Herangehensweise. Der Ansatz hierzu ist natürlich nicht neu. Bereits die großen deutschen Gartenkünstler des neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhunderts verbanden Gartenglück und stimmige Außenraumplanung immer mit Naturbildern. Ich bin der Meinung, dass dies der deutschen Seele immanent ist.
Nun ist ebenso ein gewisses Ordnungsbedürfnis hierzulande prägend. Das zeichnet uns ja schließlich ebenso aus, wie der Hang zur Romantik. In meinem HORTVS habe ich daher eben diese beiden Pole – Geometrie und Grafik zum einen und naturhaft-wilde Poesie zum anderen vereinigt.

Lis von LIndenhof Hortus Peter Janke

Der Kiesgarten mit Knautia, Nepeta und verschiedene Alliumsorten im Kiesgarten (Elisabethsgartenwelt, D)

In Ihrem 1,4 ha großen Schaugarten HORTVS gibt es einen Kies-, Wald-, Silber-, Stauden- und Wiesengarten mit insgesamt etwa 4500 Pflanzensorten. Interessant ist es, wie dieser Garten gestaltet wurde. Ist es richtig, dass die Erde gar nicht aufgearbeitet wurde und das Design sich dem Ergebnis der Erdboden Analyse angepasst hat?
Das war für mich die einzig logische Lösung. In Hinblick auf eine der Natur gegenüber verantwortungsvolle gärtnerische Herangehensweise macht es keinen Sinn Bodenstrukturen maßgeblich zu verändern. Verbesserungen in Form von Kompostgaben und Lockerungen (nur dort, wo es sinnvoll ist!) nehme ich passgenau vor, ansonsten bleibt das Bodengefüge, wie es ist. Es gibt schließlich für jede Standortsituation entsprechende Pflanzenspezialisten.

Lis von Lindenhof Hortus Janke wilgen

Weidenskulpturen von der Effektschmiede im HORTVS (Elisabethsgartenwelt, D)

Mit welchen Pflanzen arbeiten Sie am liebsten?
Oftmals mit reinen Arten, weniger mit überbordend-züchterisch bearbeiteten Kultursorten. Doch unter dem Strich: Mit denen, die mir gefallen. Im Moment gefallen mir Alpenampfer – Rumex alpinus, Strand-Quecke – Elymus athericus, Bergminzen – Pycnanthemum in Arten und all die vielen großartigen Umbelliferen sehr gut.

Sie reisen in die ganze Welt und bringen auch Exoten mit; was ist Ihnen von diesen Pflanzenerkundungsreisen am meisten beigeblieben? Was war Ihr bester und schlechtester Pflanzen- Fund?
Eine meiner ersten echten Pflanzenerkundungsreisen führte mich 1987 in den US- Bundesstaat New York. Ich war begeistert von Erlenbruchwäldern, die mit Lysichton americanum in voller Blüte ausgekleidet waren. Doch dass tatsächlich eine Gruppe von Arisaema triphyllum, die ich damals im Waldgarten meines Onkels mitnehmen durfte, hier noch immer gedeiht, macht mich glücklich.

Aegopodium_podagraria

Aegopodium podagraria, wird auch Giersch genannt….

Gut und schlecht – diese Kategorien gibt es im Pflanzenreich nicht. Aber gartenwürdig oder nicht, das könnte hier besprochen werden. Im Alter von etwa zwölf Jahren verliebte ich mich im hiesigen Stadtwald in ein Gewächs, dass ich aus unserer Gärtnerei nicht kannte: Aegopodium podogaria. Es hatte wunderschönes Laub und herrlich weiße Schirmblüten. Ich stibitzte ein paar Pflänzchen nahe eines Wanderweges. Eingepflanzt am Fuße einer Hecke im familiären Gartenbaubetrieb gedieh es mehr als prächtig….

Was oder wer ist für Sie ein großes Vorbild in der Gartenarchitektur?
Was ist die gesamtgesellschaftlich gelebte Gartenliebe der Engländer.
Wer ist der großartige Fürst Pückler-Muskau: für mich gibt er den ersten authentischen und vor allem konsequenten Startschuss in Deutschland für eine neue Gartenästhetik, die sich erstmals auch stilistisch an Naturbildern ausrichtet. Fürst Pückler-Muskau war ein wagemutiger Visionär, dessen Tun und Schaffenskraft noch immer die Avantgarde der Zeitgenössischen Gartenkunst von hinten, also aus dem historischen Gepräge heraus, durch leuchtet und erstrahlen lässt.

Für Sie ist ihr eigener HORTVS der schönste Garten, den Sie kennen, denn “Der Garten soll immer Seelenspiegel sein”…..
Der HORTVS ist Kaleidoskop meiner Seele. Seine Vielschichtigkeit, seine zum Teil sehr unterschiedlichen Räume & Pflanzenvignetten fügen sich bei jedem Spaziergang immer wieder zu einem komplexen Ganzen zusammen. Ich könnte auf keinen Teil, auf kein einziges Detail oder auch nur auf eine Pflanze verzichten.

Christina von organicgardendreams Hortus Peter Janke

Eine der formalere Gärten im HORTVS (organicgardendreams, USA)

21. Oktober 2016 von Sietske
Kategorien: Garten Design, Gartenentwurf, Gartengestaltung, Interview | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentare deaktiviert